Meine Suche nach Positivität

Searching for positivity

VORWORT

Für diesen Blog habe ich meine Geschichte in 3 Teile geteilt. Meine Reizdarm-Erfahrung, meine Erfahrung mit Schüchternheit und Introversion, und diesen Teil über meine Suche nach Positivität. Diese Geschichten sind Teil meines Lebens, aber sie betreffen nicht gleichermaßen alle Probleme, auf die ich gestoßen bin und alle Tipps, die ich euch geben kann.

In diesem Teil möchte ich über eine schwierige Zeit in meinem Leben sprechen. Sie hatte teilweise mit meinem Reizdarm zu tun, war aber vor allem die Folge dessen, dass ich meine Ziele aus der Sicht verloren hatte.

Diese Geschichte ist sehr persönlich und liegt hauptsächlich auf psychologischer Ebene. Bitte vergiss nicht, dass wir alle verschieden sind und unterschiedliche Dinge im Leben wollen und brauchen. Situationen, die mich sehr unglücklich gemacht haben, sind nicht unbedingt falsch für dich. Ich werde alles so gut es geht erklären und hoffe, dass einige von euch meine Erfahrung nachvollziehen können.

MEINE GESCHICHTE

Glückliche Zeiten

In der Schule und Universität war ich glücklich. Obwohl ich nicht gerade beliebt war, wurde ich nie gemobbt und hatte ein paar Freunde. Und das war alles, was ich zum Leben brauchte. Ich war immer eine gute Schülerin. Meine Eltern und Lehrer waren aufgrund meiner schüchternen und introvertierten Persönlichkeit besorgt, aber niemand, auch nicht ich, bezweifelte, dass ich schlau genug war, um etwas im Leben zu erreichen. Ich lernte schnell und war schon immer gut organisiert und effizient. Daher habe ich mich nie um die Zukunft gesorgt und war gespannt zu sehen, was sie bringen würde.

Ich hatte allerdings Schwierigkeiten, mein Studienfach zu wählen. Nach dem Bachelor bin ich dann auch von Literatur auf Wirtschaft umgestiegen. Das kommt davon, wenn man gleichermaßen gern schreibt und Matheaufgaben löst. Da weiß man halt nicht, was man wählen soll!
Ich hätte gern Psychologie studiert, für die ich mich noch immer sehr interessiere. Aber da jedes dritte Mädchen in meiner Klasse genau das vorhatte, habe ich mich nicht getraut. Die Welt kann doch unmöglich so viele Psychologen brauchen, oder?

Ein positiver Ausblick

Natürlich habe ich nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Aber ich bin immer davon ausgegangen, dass ich den Spieß einfach wieder umdrehen kann. Und da ich das nie bezweifelt hab, hat es auch immer geklappt. Ich habe meinen Master in Wirtschaftswissenschaften gemacht, ohne irgendwelche Vorkenntnisse zu haben. Und mit viel Arbeit und Hingabe hat es auch sehr gut geklappt. In der Zeit hatte ich das Gefühl, dass mir alle Türen offen standen, und war gespannt auf die Zukunft.

Mit dieser Einstellung ging ich dann nach dem Abschluss auf Jobsuche. Ich hatte eine Fernbeziehung und wollte nach Frankreich gehen, um mit meinem Freund zusammenzuziehen. Nach zwei Wochen voller Bewerbungsschreiben war ich so ungeduldig, dass ich mein erstes Jobangebot annahm. Es war ein schlecht bezahlter Assistenz-Job, aber ich dachte, dass ich damit nach Frankreich ziehen und ein bisschen Erfahrung sammeln konnte, bevor ich einen „richtigen“ Job fand.

Der Wendepunkt

An sich war es kein schlechter erster Job. Er war sehr einfach. Meine Vorgesetzte erkannte schnell meine Fähigkeiten und unterstützte mich, und meine Kollegen waren wirklich nett. Es waren vor allem Leute wie ich, die gerade nach Frankreich gezogen waren und schon bald einen qualifizierten Job suchen wollten.

Ich war an sich nicht unglücklich dort. Aber das niedrige Gehalt, die schlechte Position und die Langeweile bei meiner Arbeit wogen dann doch ziemlich schwer. Da ich von 9 Uhr bis 18 Uhr bei der Arbeit sein musste, auch wenn ich nichts zu tun hatte, begann ich in meiner freien Zeit nach einem neuen Job zu suchen. Ich weiß, ich weiß, das sollte man nicht machen…

Ein negativer Ausblick

Ich muss in sechs Monaten über 70 Bewerbungen verschickt haben, sodass mir eines klar wurde. Die scheinbar interessanten Jobs konnte ich aufgrund meiner mangelnden Erfahrung nicht haben, und die Firmen, die mich anstellen wollten, boten mir Jobs an, die ich gar nicht wollte. Und vor allem waren sie alle sehr besorgt, dass ich schon nach ein paar Monaten meinen ersten Job kündigen wollte! Man kann natürlich nicht erwarten, direkt in seinem Traumjob zu landen. Aber ein bisschen interessant darf er doch sein, oder?

Im Endeffekt fand ich eine neue Stelle. Es war nicht der beste Job, aber ich konnte es kaum erwarten, aus meiner Routine herauszukommen und Verantwortung zu übernehmen. Also nahm ich trotz des wiederum lächerlichen Gehalts an und dachte, ich sei endlich auf dem richtigen Weg.

Schwierige Zeiten

Das Ganze ging nicht gut. Die neue Umgebung war sehr stressig. Es gab zwar nicht so viel zu tun, aber das Management war ziemlich feindselig eingestellt und übte ständig Druck aus. Ein paar Wochen später bekam ich meine ersten schweren Reizdarm-Schübe, die meine ersten Monate in der neuen Firma in eine Mischung aus Angst, Scham und Schmerz tauchten.

Ich verstand mich auch mit niemandem gut. Meine Kollegen waren alle nett, aber wir hatten nichts gemeinsam. Sich mit ihnen anzufreunden hätte Energie erfordert, die ich aufgrund meiner Reizdarm-Situation nicht hatte.

Meine Arbeit machte ich gut. Aber der ständige Druck und meine Symptome machten die Situation ziemlich schwierig für mich. Versteh mich nicht falsch, dort zu arbeiten war für niemanden einfach. Aber ich konnte aufgrund meiner Krankheit und der damit verbundenen Angststörung kaum noch richtig funktionieren.

Probleme

Das Leben in Paris half auch nicht gerade. Menschenmassen, ständige Verspätungen der öffentlichen Verkehrsmittel und der schnelle Lebensrhythmus machten meine Angststörung nur noch schlimmer. Irgendwann weigerte ich mich, an den Wochenenden auszugehen, weil ich keine einstündige Fahrt mit der Metro in Kauf nehmen wollte.

Es war so ziemlich die schlimmste Zeit meines Lebens. Mein Job und meine Krankheit machten meine Gesundheit kaputt, was seinerseits meine Beziehung kaputtmachte. Ich wusste nicht, wie ich da rauskommen konnte.

Hoffnungslosigkeit

Mein Freund versuchte mich zu überreden, einfach einen neuen Job zu finden. Aber in jedem Bewerbungsgespräch stieß ich wieder auf dieselben Probleme. Interessante Jobs waren für mich außer Reichweite. Und die Jobs, die ich haben konnte, ähnelten zu sehr dem, was ich schon hatte.

Ich wusste, dass ich so viel mehr konnte als das, was mir angeboten wurde. Und trotz aller Umstände war ich gut in meinem Job und langweilte mich bereits – schon wieder. Unternehmen in Frankreich mögen es nicht, wenn Angestellte ständig ihre Arbeit wechseln. Sie haben dann den Eindruck, dass diesen Leuten zu schnell langweilig wird. Und ehrlich gesagt war das ja auch tatsächlich mein Fall.

Ich begann zu denken, dass ich für den traditionellen Arbeitsmarkt nicht geschaffen war. Und um ganz ehrlich zu sein, hatte ich auch keine Ahnung, wie ich mit meiner Angststörung einen Jobwechsel überleben würde.

Planlosigkeit

Monatelang lehnte mein Freund die Idee ab, umzuziehen und neu anzufangen. Während ich darüber nachdachte, meinen Job aufzugeben und wieder bei meinen Eltern einzuziehen, wollte ich doch nicht meine Beziehung riskieren. Ich war planlos, aber ich wusste, dass mein Leben nicht für die nächsten 40 Jahre so weitergehen konnte. Ich musste alles ändern, aber ich wusste nicht wie.

Der Wendepunkt

Als ich mein Reizdarmsyndrom endlich mehr oder weniger unter Kontrolle hatte, wurde es ein wenig besser. Wir begannen, echte Pläne zu schmieden. Ich wusste, dass ich von zu Hause aus arbeiten wollte, und die Idee, selbstständig zu werden, nahm langsam Gestalt in meinem Kopf an.

Ich kaufte ein paar Bücher, begann zu recherchieren und arbeitete an all meinen Ideen. Aber ich erkannte bald, dass meine langen Arbeitszeiten zusammen mit dem zusätzlichen Projekt mich zu sehr stressten, was wiederum mein Reizdarmsyndrom verschlimmerte. Also musste ich mein Projekt vorerst auf Eis legen, um meine Arbeitstage zu überstehen.

Änderungen

Ende 2016 war mein Freund endlich bereit, aus Paris wegzuziehen. Wir beschlossen, dass er woanders Arbeit finden würde, sodass ich kündigen und ihm folgen konnte. Nach einem Jahr voller Hoffnungen und Enttäuschungen wurde unser (nun gemeinsamer) Traum endlich wahr. Wir zogen von Paris weg in eine kleine Stadt.

Seit ein paar Monaten arbeite ich daran, mein Leben wieder in die richtige Bahn zu bringen. Ich habe Kurse zu verschiedenen Themen absolviert, um mir bei der Gründung meines Unternehmens zu helfen. Ich habe an meinen Ideen gearbeitet und sehr viel über meine Krankheit, meine Ziele und eine positive Einstellung gelernt.

Auf der Suche nach Positivität

Ich habe mich vor allem auf Positivität konzentriert. Nicht sein eigener Feind zu sein und an sich zu glauben sind Voraussetzungen für eine positive Lebenseinstellung, und diese brauche ich, wenn ich etwas erreichen möchte. Und ich war seit Jahren nicht mehr so glücklich! Meine Gesundheit hat sich drastisch verbessert, meine Beziehung läuft großartig und ich kann mich endlich darauf konzentrieren, das Leben aufzubauen, das ich mir immer gewünscht habe.

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